Hochachtung! Wie die Schweizer am Zürichersee gegen den Unterwasser Müll Kämpfen! Jeder der seinen Müll im wasser entsorgt sollte mal in eine ABC Ausrüstung gepackt werden und auf Müllsammelaktion geschickt werden! Hoffentlich hilft ihm dann das Schnorchelset das Ausmaß zu sehen!
Vor allem weil der Müll teilweise richtig giftig ist, wenn jemand zum Beispiel seine Autobatterie entsorgen zu müssen glaubt!
publiziert auf landbote-ch
> Die Heinzelmänner im Neopren
Bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit tauchen sie in Seen und Flüsse, um den Müll zu bergen, den andere achtlos ins Wasser geworfen haben. Die «Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher» putzen in ihrer Freizeit und mehrmals pro Woche.
MEILEN – Abendstimmung am Zürichsee bei Obermeilen. Letzte Sonnenstrahlen drängen hinter einem Paket dunkler Wolken hervor. Auf der nahen Seestrasse braust der Feierabendverkehr. Die kleine Liegewiese am Seeufer ist noch feucht vom Regen. Auf dem Parkplatz daneben zwängen sich drei Männer in ihren Neoprenanzug, ziehen die Tarierweste an und hängen die Sauerstoffflasche um.
Daniel Wyss, Kältechniker aus Kölliken, Marco Jurt, Drucker aus Luzern und Bernhard Pleimer, Elektroingenieur aus Münchenstein, reden nicht viel. In Gedanken sind sie wohl schon beim bevorstehenden Tauchgang im Zürichsee. Doch während andere Hobbytaucher sich an anderen Tauchplätzen der Welt auf bunte Fische und die Schönheiten der Unterwasserwelt freuen, fragen sich diese drei Froschmänner jeweils, auf wie viel Abfall und welche Art von Müll sie stossen werden. Die drei sind nämlich Mitglieder des neuen
Vereins Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher (Suat).
Autobatterien im Fluss
«Es ist schockierend, was da unten so alles herumliegt», sagt Thomas Niederer, der den Verein ins Leben gerufen hat. Jede Menge Flaschen, Tische, Stühle und einmal – bei einem Tauchgang in der Aare – sogar gleich mehrere Autobatterien. Gefährlicher Sondermüll. Gerade mal zwei Jahre ist es her, seit der 45-jährige Niederer mit dem Tauchen angefangen hat.
«Es ist, wie wenn man eine andere Welt betritt. Da unten ist es ruhig und still. Ein Gefühl wie Ferien.» Inzwischen hat Niederer die beachtliche Zahl von 225 Tauchgängen hinter sich. Doch der Müll störte seine vorübergehende Ferienstimmung unter Wasser empfindlich. Niederer begann, ihn an die Oberfläche zu befördern. Heute taucht er fast nur noch aus diesem Grund und selten zum Spass. Niederer hat somit seinen Beruf zum Hobby gemacht, denn er verdient mit Putzen seinen Lebensunterhalt. Gemeinsam mit seiner Partnerin führt er ein kleines Reinigungsunternehmen.
An diesem Abend am Zürichsee geht er aber nicht ins Wasser, sondern steht am Ufer, um den Müll entgegenzunehmen, den seine drei Kollegen geborgen haben. Ein schwimmender Bottich mit blau-weisser Fahne zeigt, wo sie sich gerade aufhalten. Die improvisierte Boje dient auch dem Schutz der Taucher, denn so sind sie für Bootskapitäne gut sichtbar. Am Bottich ist eine Kette mit einer Netztasche befestigt – ein Konstrukt Niederers. Die Tasche wird mit kleineren Gegenständen gefüllt. Die grösseren Stücke bringen die Taucher einzeln an die Oberfläche. Daniel Wyss hält ein Ofenrohr oder einen Teil eines Dachkännels in die Höhe. Ein weiteres ähnliches Objekt kommt hinzu. Ferner: eine grosse Flickendecke, ein rostiges, mit Muscheln besetztes Gestell und jede Menge leerer Flaschen und Büchsen.
Sponsoren gesucht
17 aktive Taucher zählt der Verein. Manchmal veranstalten diese Heinzelmännchen der helvetischen Gewässer gleich mehrere Putzaktionen pro Woche. In ihrer Freizeit, wohlgemerkt, unbezahlt und unbeachtet von der Öffentlichkeit. Für Ende September ist eine grosse Uferputzete am Zugersee geplant. «Jemand muss so etwas ja machen», sagt Wyss. Tatsächlich gibt es in der Schweiz wohl einmal pro Jahr Reinigungsaktionen von See- und Flussabschnitten, so wie zum Beispiel die Limmatputzete der Zürcher Seepolizei. Aber es gibt nirgends eine ständige Reinigungstruppe, so wie das bei Strassen und Plätzen der Fall ist.
Wann und wo getaucht wird, machen die Abfalltaucher unter sich aus. «Man kann uns aber auch buchen», sagt Niederer. Da es sich um eine Non-Profit-Organisation handelt, ist ihr Einsatz grundsätzlich kostenlos. «Wir würden uns aber erlauben, eine Kollekte einzuziehen, damit wenigstens die Spesen gedeckt sind.» Der Präsident der Abfalltaucher will deshalb verstärkt auf die Suche nach Spendern und Sponsoren gehen.
Und er will die Gemeinden und die Kantone um Unterstützung anfragen. Wegen der grossen Menge deponieren die Taucher den Müll aus dem See vor Obermeilen am Ufer. Tags darauf ruft Niederer die Gemeindeverwaltung an. Dort nimmt man den Hinweis etwas perplex entgegen und verspricht, sich um die Abfälle zu kümmern. lPETER FRITSCHE

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