Schnorchel Set

Freitag, 15. Oktober 2010

Deutschland, die neue Heimat von Piranhas!

Das ist ja ein Ding! Piranhas in Deutschland! Das ist kein mares Tauchen! Piranhas sind Süßwasserfische!
 

Angler aus Wesel fangen Piranhas im Rhein!
Wesel/Schermbeck.
Einheimische Fischarten haben es im Rhein zunehmend schwer - weil sie von Einwanderern verdrängt werden. Nicht immer liegt das an der Schifffahrt. Angler am Niederrhein machen sich Sorgen. Sie hatten jüngst sogar ein paar Piranhas am Haken.
 

„Vor drei Jahren war es noch eine absolute Ausnahme, wenn einer unserer Angler eine Schwarzmaulgrundel am Haken hatte. Heute wimmelt es im Weseler Hafen davon.“ Ralf Hendrich, Bezirksvorsitzender des Rheinischen Fischereiverbandes am rechten Niederrhein, macht sich Sorgen. Eingewanderte Kleinfischarten wie die Schwarzmaulgrundel haben sich in kurzer Zeit explosionsartig am Niederrhein vermehrt. Die tierischen Invasoren sind aggressiv. Ralf Hendrich: „Sie verdrängen die einheimischen Fischarten.“

Die Fische, klein, stummelig und nicht besonders behände, haben sich Tausende Kilometer nach Westen vorgekämpft - mit Hilfe des Menschen und zu Lasten einheimischer Arten. Tiere Einwanderer (sogenannte Neozoen) wie die Schwarzmaulgrundel oder die Kesselgrundel sind vermutlich mit dem Ballastwasser der Berufsschifffahrt in den Rhein gelangt. Ein anderer möglicher Einfallsweg ist der 1992 eröffnete Rhein-Main-Donau-Kanal.

Die Fischarten, die ursprünglich im Schwarzen und Kaspischen Meer heimisch sind, treffen heute im Rhein auf optimale Bedingungen. In den vergangenen Jahren ist die Temperatur des Flusses um 3,5 Grad gestiegen. Ein Grad resultiert aus dem Klimawandel, aber die zusätzlichen 2,5 Grad kommen durch die Warmwasser-Einleitung der Industrie.

Weil die wachsende Population der Grundeln unter anderem den Fischlaich anderer Arten frisst, nehmen die Bestände beispielsweise der heimischen Mühlkoppe ab. Welche katastrophalen Auswirkungen die Zuwanderung von Tierarten aus dem kaspischen Raum haben kann, verfolgten Biologen bereits am Beispiel des räuberischen Höckerflohkrebses. Dieser nur zwei Zentimeter große Kleinkrebsen hat sich im gesamten Rheinsystem massiv vermehrt und die einheimischen Flohkrebs-Bestände komplett vernichtet.

Aquarianer setzen
exotische Fische aus

Um die Bedrohung durch die eingewanderten Grundeln abschätzen zu können, bereitet der Rheinische Fischereiverband jetzt eine spezielle Fangaktion vor. „Dazu werden abgemessen Uferbereiche des Rheins mit einer Elektroangel abgefischt“, erläutert Ralf Hendrich. Die Gundeln erhalten dabei einen schwachen Stromstoß, der sie kurz betäubt. Die Tiere treiben an die Oberfläche und können so gezählt werden.

Während der Rheinische Fischereiverband über die ersten Maßnahmen gegen die Invasion kaspischer Fische berät, kommen andere exotische Einwanderer direkt vom Niederrhein. „Viel zu oft setzen hiesige Aquarianer ihre Fische einfach in unseren Flüssen und Seen aus“, haben die 3100 Mitglieder des Fischereibezirkes Linker Niederrhein festgestellt.

So haben Angler in der letzten Zeit zwischen Duisburg und Büderich fünf Piranhas gefangen. Ralf Hendrich: „Piranhas bewegen sich im Aquarium nur wenig. Da wird den Haltern schnell langweilig.“ Hendrich hat auch schon Guppys und Schnappschildkröten im Schermbecker Ententeich gesehen. „Die gehören da einfach nicht hin.“
 
Text und Bild von Christoph Girschik publiziert auf derwesten
 
 

 

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